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Gemeinschaftspraxis Uetendorf

Dr. med. Matthias Tapis - Dr. med. Mirjam Rolli

Fieber bei Kindern

Bei kleinen Kinder kommt Fieber recht häufig vor. Fieber gilt als Anzeichen für eine Krankheit.
Für Eltern ist das oft ein Alarmzeichen. Die folgenden Informationen sollen Eltern und Betreuungspersonen dabei helfen, das Fieber im Kindesalter besser zu verstehen und im konkreten Fall geeignete Massnahmen zu treffen.

Fieber ist der häufigste Anlass für Eltern, mit ihrem Kind einen Arzt oder eine Ärztin
aufzusuchen. Fieber ist dabei nicht unbedingt mit einer schweren Erkrankung gleichzusetzen.
Fieber allein bedeutet auch keine Gefahr für das Gehirn. Meistens ist Fieber der Ausdruck einer Infektionskrankheit im Bereich der oberen Luftwege: zum Beispiel Grippe, Angina oder Mittelohrentzündung.

Wärmeregulation

Die menschliche Körpertemperatur wird von einem speziellen Regulationszentrum (einer Art Thermostat) gesteuert, das sich im Gehirn befindet. Bei kleinen Kindern ist die Wärmeregulation noch nicht vollständig ausgebildet. Deshalb reagieren Säuglinge und Kleinkinder rascher mit Fieber als grössere Kinder und Erwachsene.
Verschiedene fiebererzeugende Substanzen von Infektionserregern (Viren, Bakterien) und Entzündungszellen (weisse Blutkörperchen) können das Temperatur-Regulationszentrum auf einen höheren Wert einstellen. Der Körper wird dadurch gezwungen Wärme zu erzeugen, was er durch Muskelzittern oder stärker mittels Schüttelfrost macht.

Fieber

Die Körpertemperatur schwankt normalerweise zwischen 36.5 und 38.0 Grad Celsius (gemessen im Enddarm).
Die Temperatur hängt dabei von verschiedenen Umständen ab:

  • körperliche Anstrengung (die Temperatur ist im Schlaf am tiefsten)
  • Aufregung (vor allem bei sensiblen Kindern)
  • Essen und Trinken
  • Umgebungstemperatur und Kleidung (die Körpertemperatur steigt bei zu warmen Kleidern und Bettzeug, sowie bei
  • Sonneneinstrahlung, hoher Luftfeuchtigkeit, überhitzten Räumen)
  • Von eigentlichem Fieber sprechen wir bei einer Körpertemperatur von 38.5 Grad Celsius und mehr wenn wir sie im Enddarm (rektal) odem im Mund (oral) messen, oder 38.0 Grad Celsius und mehr, wenn wir sie in der Achselhöhle (axillär) oder an der Stirn (frontal) messen

Akutes Fieber

Hier ist die Rede nur von neu aufgetretenem Fieber, also akutem Fieber.
Als chronisches Fieber werden wochenlange Fieberzustände bezeichnet. Diese sind oft
Hinweise auf verschiedenste, teilweise schwierig zu diagnostizierende Krankheiten und
benötigen oft eine längere Abklärung, zum Teil sogar im Rahmen eines Spitalaufenthalte
Akutes Fieber kann folgende Ursachen haben:

1. Häufige Infektionskrankheiten

Mittelohrentzündungen, Angina, Grippe, "Erkältungen" mit Schnupfen und Husten, oder Magen-Darm-Grippe.

2. Seltene Infektionskrankheiten
  • Harnwegsinfekte (Blasenentzündungen, Nierenbeckenentzündungen
  • Kinderkrankheiten (z.B. Drei-Tage-Fieber, Masern, Röteln, Mumps, Scharlach)
  • Hirnhautentzündung
  • Lungenentzündung
  • Blinddarmentzündung
  • und einige andere Entzündungen
3. Zu hohe Umgebungstemperatur
  • Starke Sonneneinstrahlung
  • Ueberheizung der Wohnung
  • Zu warme Kleider oder zu warmes Bettzeug
4. Austrocknung (sogenanntes Durstfieber)
  • Brechdurchfall
  • Zu wenig Trinken
5. Seltene Fälle
  • Reaktion auf Impfung (etwa 6 Fälle auf 100 Impfungen)
  • Überempfindlichkeit (Allergie) auf Medikamente, Nahrungsmittel usw.
  • Fieber im Zusammenhang mit Zahnen (meist ist Zahnen keine Fieberursache, jedoch können während des Zahnens leichter Viren in den Körper eindringen - und während Fieber wird auch die Zahnbildung stimuliert
6. Sehr seltene Fälle
  • Drüsenkrankheit (z.B. Ueberfunktion der Schilddrüse)
  • Störung im Gehirn (z.B. Hirnentzündung)
  • Bösartige Krankheit (z.B. Blut- oder Lymphknotenkrebs, Leukämie)

Sofort zum Arzt

Falls eine der folgenden Situationen vorliegt, müssen Kinder mit Fieber sofort zum
Arzt oder allenfalls ins Kinderspital gebracht werden:

  • Krämpfe, Schläfrigkeit oder Apathie, sehr schlechtes Aussehen, Reizbarkeit
  • Berührungsempfindlichkeit, rote Hautflecken die auf Druck nicht verschwinden (=Blutungen unter der Haut).
  • Sehr hohes Fieber trotz kühler Umgebung und nicht übermässiger Kleidung/Bettzeug (über
    41 Grad Celsius)
  • Verdacht auf Mittelohrentzündung, Scharlach, Angina, Blasenentzündung oder eine andere schwere Infektionskrankheit
  • Verdacht auf Mittelohrentzündung, Scharlach, Angina, Blasenentzündung oder eine andere schwere Infektionskrankheit
  • Deutliche Austrocknung (Durst, trockene Schleimhäute, Tränen und Urin vermindert)
  • Fieberdauer länger als zwei bis drei Tage (Kleinkind unter 5 Jahren) bzw. 3-5 Tage (ältere Kinder)
  • jedes Fieber während der ersten 3 Lebensmonate
  • Wenn eine Vorkrankheit besteht, bei der Fieber sofort abgeklärt werden muss (z.B. Krebskrankheit, Immunmangelkrankheit, Gedeihstörung / Unterernährung)

Falls keine dieser Situationen zutrifft und Sie Ihr Kind nicht in die Arztpraxis bringen müssen, übernehmen Sie als Eltern oder Betreuungsperson die Pflege des Kindes, allenfalls in Absprache mit Ihrem Hausarzt/Hausärztin.
Es ist übrigens ungefährlich, mit einem fiebrigen Kind an die frische Luft zu gehen, um den Arzt aufzusuchen; dies kann im Gegenteil manchmal zur Fiebersenkung beitragen

Wann Fieber behandeln?

Für eine Behandlung von Fieber sprechen folgende Gründe:

  • Fieber belastet Ihr Kind (Stoffwechsel, Kreislauf)
  • Ihr Kind fühlt sich schlecht; sein Allgemeinzustand ist beeinträchtigt
  • Fieberkämpfe können vorkommen und belasten den Körper
  • Fieber kann gewisse Krankheitsprozesse verstärken, das Kind dadurch kranker machen

Gegen eine Behandlung von Fieber sprechen folgende Gründe:

  • Fieberbehandlung kann die Diagnosestellung erschweren (hier gibt es aber heute andere zuverlässige Untersuchungsmittel, v.a. im Labor)
  • Fieber fördert gewisse Abwehrprozesse des Körpers (aber nicht sehr ausgeprägt - und stark erhöhte Körpertemperatur schwächt hinwiederum die Abwehr)
  • Alle Medikamente, die wirken, können auch Nebenwirkungen verursachen

Wie Fieber behandeln?

  • Fieber belastet Ihr Kind (Stoffwechsel, Kreislauf)
  • Ihr Kind fühlt sich schlecht; sein Allgemeinzustand ist beeinträchtigt
  • Fieberkämpfe können vorkommen und belasten den Körper
  • Fieber kann gewisse Krankheitsprozesse verstärken, das Kind dadurch kranker machen

Falls das Fieber im Darm gemessen 39 Grad oder unter dem Arm gemessen 38.5 Grad übersteigt, sind Fiebermedikamente angezeigt. Zusätzlich sind aber immer auch die untenstehenden kühlenden Massnahmen durchzuführen

Bei tieferen Körper-Temperaturen können allein kühlende Massnahmen ausreichen

Kühlende Massnahmen:

  • Zimmertemperatur senken: Heizung zurückstellen, lüften
  • Leichte Kleidung: z.B. nur kurze Hosen und T-Shirt
  • Leichtes Bettzeug: kein Duvet und keine Wolldecke, nur Leintuch
  • Mehr und regelmässig trinken: Kräuter- oder Kindertees, Trinklösung, Cola

Wenn das Fieber andauert:

  • Kühlende Wickel: mit kühlem Wasser getränkte Tücher um Waden/Oberschenkel, dabei die Füsse freilassen. Wickel während ca. 20 min belassen
  • Kind mit lauwarmem Wasser abwaschen und mit nacktem Oberkörper und Beinen trocknen lassen
  • In hartnäckigen Fällen:
    - Ventilator anstellen, auf Körper richten (Kind ohne Decke/Leintuch!)
  • Vollbad einlaufen lassen, Temperatur knapp unter gemessener Körpertemperatur des Kindes (2-3 Grad Celsius weniger). Dann durch Zugabe von kaltem Wasser langsam um weitere 5 Grad Celsius abkühlen lassen. Badedauer: 10 Minuten

Medikamente:

Falls das Kind nicht zum Arzt gebracht werden muss und daher auch keine spezielle Therapie erhalten hat, kann es durch die Anwendung von fiebersenkenden Medikamenten behandelt werden.
Ausser wenn besondere Umstände vorliegen oder eine Unverträglichkeit besteht wird heute zumindest bei Säuglingen und Kleinkindern fast ausschliesslich der Wirkstoff Paracetamol eingesetzt. Diese Substanz gibt es in der Form von Zäpfchen (Suppositorien), Sirup, Sachets, Tropfen und Tabletten.
Wichtig ist die richtige Dosierung! Oft werden zu schwache Zäpfchen gebraucht, weil seit dem letzten Fieber das Kind mehrere Kilogramm schwerer geworden ist.

Markennamen:

- Dafalgan, Panadol, Tylenol, Acetalgin, Ben-u-ron, und andere

Richtige Dosierung: 12 bis 20 mg pro Kilogramm Körpergewicht.

Beispiele:

Körpergewicht 4 kg Dosis 60 mg pro Anwendung
Körpergewicht 8 kg Dosis 125 mg pro Anwendung
Körpergewicht 12 kg Dosis 150-200  mg pro Anwendung
Körpergewicht 16 kg Dosis 250 mg pro Anwendung
Körpergewicht 20 kg Dosis 300-350 mg pro Anwendung
Körpergewicht 30 kg Dosis 500 mg pro Anwendung

Diese Dosis wird alle 6-8 Stunden wiederholt.
Meist ist es besser, die Fiebermedikamente regelmässig anzuwenden, andernfalls kommt es immer wieder zu Fieberzacken mit unter Umständen Fieberfrösten, was das Kind zusätzlich schwächt.
Meist ist es auch nicht vorteilhaft, Fieberzäpfchen nur "auf die Nacht" zu geben, da sich da tagsüber durch das Fieber gedämpfte Kind plötzlich viel besser fühlt und gerne das tagsüber Verpasste nachholen möchte (die Eltern meist aber nicht....).

Fieberkrämpfe

In den ersten sechs Lebensjahren kommt es bei ungefähr drei bis vier Prozent aller Kinder zu Fieberkrämpfen, und zwar meistens nur einmal, in seltenen Fällen aber häufiger.
Das Kind ist dabei "abwesend", oft sehr blass, macht meist wirre Bewegungen mit Armen und oder Beinen. Meist dauert der Anfall wenige Minuten, wonach das Kind in einen tiefen Schlaf verfällt.
Diese Krämpfe sind praktisch immer harmlos, und ein Übergang in eine eigentliche Epilepsie ist ausserordentlich selten. Trotzdem brauchen alle Kinder mit Fieberkrämpfen ärztliche Betreuung. Nur der Arzt kann entscheiden, ob es sich beim Anfall um einen "normalen" Fieberkrampf handelt, oder ob das Kind aufgrund einer anderen Krankheit einen Krampf hat.

Leichtes Fieber von 37° bis 38°C

Besteht geringes Fieber über meherere Tage, oder kommt es wiederholt zu solchen Fieberphasen, so muss ein Kind nach einer versteckten Infektionskrankheit untersucht werden.