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Gemeinschaftspraxis Uetendorf

Dr. med. Matthias Tapis - Dr. med. Mirjam Rolli

Hirnhautentzündung durch Meningokokken- wie gefährlich ? - Soll geimpft werden ?

Die Hirnhautentzündung (lat. Meningitis) ist eine der ganz gefährlichen Infektionskrankheiten.
Ausgelöst durch Bakterien (Meningokokken, aber auch Pneumokokken, Haemophilus und andere) kommt es zu einer eitrigen Entzündung der Hirnhäute und darauf zu einer Ausbreitung des Schadens auf das Gehirn.

Die typischen Zeichen einer Hirnhautentzündung sind:

  • Schlechter Allgemeinzustand
  • plötzliches hohes Fieber
  • starke Kopfschmerzen
  • Erbrechen
  • Lichtscheu
  • Berührungsempfindlichkeit
  • Bewusstseinsstörungen

Eigentlich alle Kinder über 2 Jahren mit Hirnhautentzündung zeigen den oben erwähnten schlechten Allgemeinzustand.
Wenn ein fiebriges Kind noch Lust hat auf Fernsehen, GameBoy oder Eile mit Weile, so kann kaum von einem schlechten Allgemeinzustand gesprochen werden, und mit grosser Wahrscheinlichkeit liegt keine Hirnhautentzündung, sondern eine andere, meist harmlose Infektion vor.
Liegen aber mehrere der oben erwähnten Zeichen vor, so suchen Sie Ihren Arzt auf und scheuen Sie sich nicht, bereits am Telefon die vermuteten Hirnhaut-Symptome zu erwähnen.

Bei ganz kleinen Kinder bis etwa 2 Jahren sind einige der oben erwähnten Zeichen oft nur andeutungsweise vorhanden, weshalb empfohlen wird, kleine Kinder mit Fieber und in schlechtem Allgemeinzustand immer dem Arzt/der Ärztin zu zeigen.

Nachdem es von Ende November 2000 bis Ende Januar 2001 im Freiburger Bezirk Gruyère zu einer örtlichen Häufung von Meningokokken-Erkrankungen gekommen ist, wurde vom Freiburger Kantonsarzt in Absprache mit dem Bundesamt für Gesundheit eine begrenzte Impfaktion durchgeführt.
Aufgrund der eher geringen Anzahl Fälle von Hirnhautentzündung durch Meningokokken in der übrigen Schweiz wurde eine gesamtschweizerische Impfung von den Behörden bisher nicht empfohlen. In den Jahren 2001 bis 2004 gab es in der Schweiz nämlich weniger als 50 Fälle von Meningokokken-Meningitis, was 1-5 Fälle pro 100'000 Einwohnern ausmacht.
Wir Ärzte und auch das Bundesamt für Gesundheit sind aber etwas beunruhigt, weil in den letzten Jahren doch eine gewisse Zunahme der Miningokokken-Erkrankungen festgestellt werden konnte. Eine Erklärung dafür gibt es nicht. Deswegen verfolgt das Bundesamt für Gesundheit die Situation genau und prüft auch den Nutzen und die Risiken einer allfälligen landesweiten Meningokokken-Impfung.
Hier muss eingeschränkt werden, dass die Impfung für das beschuldigte Bakterium "Typ C" erst seit wenigen Jahren erhältlich ist, bisher erst in England über kurze Zeit in grösserem Umfang angewendet worden ist, und daher noch viele Fragen ungeklärt sind, die man vor einer landesweiten Anwendung, z.B.

Wer soll geimpft werden: nur Kleinkinder, Jugendliche, alle Kinder?
Nach welchem Impfschema soll geimpft werden (Anzahl Grundimpfungen? - Wiederholungsimpfung nötig? - nach wievielen Jahren?)
Kann gleichzeitig mit den anderen, allgemein üblichen Kinderimpfungen geimpft werden oder muss ein zeitlicher Abstand eingehalten werden?
Kommt es möglicherweise zu negativen Auswirkungen durch die Impfung? (es wäre z.B. denkbar, dass eine geimpfte Person zwar nicht mehr erkrankt, aber dafür gesunder
"Träger" der Bakterien sein könnte und damit eine Gefahr für die Umgebung wäre).
Wieviele Erkrankungen bzw. Todesfälle können durch die Impfung tatsächlich vermieden werden?
Kann kurzfristig oder mittelfristig genügend Impfstoff hergestellt werden?
und schliesslich
Wer soll die Impfkosten von 80 bis 150 Mio Fr. bezahlen: die Krankenkassen? der Kanton?

Aufgrund dieser Überlegungen empfiehlt das Bundesamt für Gesundheit im jetzigen Zeitpunkt eine breite Anwendung der Meningokokken-Impfung nicht. Empfohlen wird sie Kindern mit einer Erkrankung des Immunssystems (krankhafte Abwehrschwäche). Gesunde Kinder und Erwachsene können sich zwar ebenfalls auf Wunsch impfen lassen, doch muss die geringe Fallzahl in Betracht gezogen werden.
Das Bundesamt für Gesundheit wird in Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Kommission für Impffragen das Thema landesweite Meningokokken-Impfung in den nächsten Monaten eingehend prüfen.
Sollten sich Änderungen ergeben, werden Sie auf dieser Homepage Neues dazu erfahren.

Aktuelle Empfehlungen Bundesamt für Gesundheit (pdf)